Grenzgeschichten lesen & erwandern – Fortsetzung erscheint heute

Mitteilung des Rhönforum e.V.

Anfang Mai gab es im kleinen Rhöndörfchen Birx an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze wieder ein sogenanntes „Grenzertreffen“. Ebenfalls zu Gast war auch Dr. Hans-Dieter Bieniek – als ehemaliger DDR-Grenzsoldat - mit seiner Lebensgefährtin Karin Kampf. Seit vielen Jahren kommt Bieniek in die Rhön, an die Orte seiner früheren Grenzerfahrungen.

Diese inspirierten ihn auch, Grenzgeschichte und -geschichten in einem Buch herauszugeben. Gemeinsam mit Karin Kampf und dem regional schon bekannten Autor Gerhard Schätzlein aus Filke im Landkreis Rhön-Grabfeld erarbeitete er bereits 2022 das erste Werk „Grenzland Rhön – Wandern im Gestern und Heute“.

Erstmalig entstand damit ein politisch-historischer Wanderführer. Gerhard Schätzlein, der bereits mehrere Bücher zum Thema innerdeutsche Grenze verfasste und Mit-Initiator der ersten Friedenswegtafeln zwischen Henneberg und Birx war, lieferte für das Buch Fotos und Karten.

Mit einem Forschungsauftrag des Freistaates Thüringen wurde durch die Autoren recherchiert, dazu Kontakt zu ehemaligen Flüchtlingen deutschlandweit aufgenommen.

Die Geschehnisse an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze konnten jetzt noch einmal besser in Verbindung mit dem Friedensweg verortet werden. Das Buch bot damit eine gute Grundlage, am Friedensweg auch die Informationstafeln zu erneuern.

Für den ersten Abschnitt von Henneberg bis Rhönblick wurde enorm viel Arbeit geleistet. Der erste Teil des Friedensweges mit neuen Infotafeln wurde bereits im vergangenen Jahr eingeweiht. Die nächsten Tafeln sind bereits fertig, teilweise sind hier die Standorte auf bayerischer Seite.

Förderung für Friedensweg-Tafeln über LEADER-Regionalbudget

Ein weiterer Abschnitt auf Thüringer Seite bis Birx wird jetzt durch das LEADER-Regionalbudget der RAG Henneberger Land gefördert.

Projektträger ist der Verein für Heimatpflege, Wandern und Wintersport Ellenbogen e. V. Unterstützt wird der ehrenamtliche Verein durch den Rhönforum e. V. Auch hier kommen die Texte und Fotos etc. von Bieniek und Kams.

2. Band „Grenzland Vorderrhön, Ulster- und Werraland - Wandern im Gestern und Heute“

Die Grenzgeschichten gehen ebenfalls weiter. Aktuell erscheint jetzt der 2. Band des Grenzbuches.

Dieser ist ab heute im Buchhandel, bei Amazon und im Verlag erhältlich: „Grenzland Vorderrhön, Ulster- und Werraland - Wandern im Gestern und Heute“ (Parzellers Buchverlag Fulda, 2026; www.parzellers.de/p/grenzland-vorderrhoen).

Dieses Mal gibt es Grenzgeschichten der Rhön weiterführend in den Wartburgkreis bis Gerstungen/Lauchröden im Werratal. Hierzu wurden Zeitzeugenberichte und Stasiakten untersucht.

Neben spannenden Geschichten, Wandertipps mit Verortung des Geschehens sind auch wieder zahlreiche historische Fotos in dem Buch zu finden. Es knüpft inhaltlich und geografisch an das erste erfolgreiche Buch: „Grenzland Rhön -Wandern im Gestern und Heute“ an.

Das neue Buch beginnt mit Informationen zum DDR-Grenzsystem, zur Rekrutierung und der Ausbildung der DDR-Grenzsoldaten auf Grundlage persönlicher Dokumente.

Vorgestellt werden dann zwölf Rundwanderungen durch ehemalige Grenzabschnitte von neun DDR-Grenzkompanien in den Gebieten von Geisa bis nach Gerstungen/Lauchröden. Ebenfalls werden aus der Sicht eines ehemaligen DDR-Grenzsoldaten Einblicke in das DDR-Grenzsystem und in das Soldatendasein in einer DDR Grenzkompanie gegeben.

Anhand von umfangreichen Recherchen zum Thema Flucht aus der DDR werden aus den Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) – heute auch besser bekannt als Stasi, aus Gesprächen mit Zeitzeugen und ehemaligen Flüchtlingen werden spannende, meist noch unveröffentlichte Fluchten aus dem Grenzgebiet beschrieben.

Das „Wirken“ des MfS im Grenzgebiet der DDR, in den Grenzkompanien der DDR und der Versuch der Unterwanderung der Kirchen im Grenzgebiet durch „inoffizielle Mitarbeiter der Stasi“ (sogenannte IM`s) wird ebenfalls aufgezeigt.

Bei den einzelnen Rundwanderungen wird aber auch auf die jetzige Schönheit der Rhöner Natur am Grünen Band eingegangen. Durch die geschützte Lage konnte sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln.

In jeder der zwölf Rundwanderungen entlang der ehemaligen Grenze werden ein oder zwei Fluchtgeschichten oder andere besondere Grenzgeschichten beschrieben, die sich dort zugetragen haben.

Das Buch enthält weiterhin bisher unveröffentlichten Fotos eines ehemaligen bayerischen Zollbeamten, der Grenzsoldaten, Grenzoffiziere und Grenzaufklärer sowie hauptamtliche MfS-Angehörige aus nächsten Nähe fotografierte. Das neue Grenzbuch ist unterhaltsam und spannend zugleich.

Es vermittelt tiefe Einblicke in das DDR-Grenzsystem, die Grenztruppen der DDR und das Zusammenwirken des MfS im Grenzgebiet mit Grenztruppen und Volkspolizei und möchte damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten.

Zu den Autoren: Der 69-jährige Dr. Hans-Dieter Bieniek stammt aus Sömmerda und war nach dem Abitur 1975 zuerst in Eisenach als Grenzsoldat stationiert. Von April 1976 – April 1977 war er in der 10. Grenzkompanie in Frankenheim.

Sein späteres Studium der Volkswirtschaftslehre führte ihn nach Halle an der Saale, 1987 weiterführend das Thema Landwirtschaft. Später war er in der Finanzkundenbetreuung bei der Dresdner Bank, wurde dann nach Stuttgart und Karlsruhe versetzt.

Dort lernte Bieniek auch seine Lebensgefährtin, Karin Kampf kennen, verbunden durch einen gesundheitlichen Schicksalsschlag. Die 60-jährige Kampf lebte in Baden Württemberg und arbeitete als stellvertretende Direktorin an einem Gymnasium (Fächer: Französisch/Musik).

Und hier schließt sich wieder der Kreis – die Verbindung zur Rhön. Kampfs Vorfahren stammen aus Kaltennordheim (Urgroßmutter) und Reichenhausen (Familien Marschall).